Manche der Bewohner sprechen nicht. Manche erschließen sich die Welt auf Wegen, die wir nicht kennen. Ihre Wahrnehmung folgt anderen Rhythmen, ihr Ausdruck entzieht sich dem, was wir gewohnt sind. Das irritiert uns, weil wir nicht einordnen können, was wir nicht einordnen können. Und vielleicht liegt genau darin etwas, das sich lohnt: der Moment, in dem man aufhört einzuordnen. In dem man einfach da ist, ohne zu wissen, was als nächstes kommt.
Ich habe mir Zeit genommen. Ein Jahr lang. Ich habe Raum gelassen, damit jeder auf seine eigene Weise in Erscheinung treten kann. Nicht alles zeigt sich sofort. Manches bleibt leise, und das Leise ist oft das Eigentliche. Ich habe beobachtet, wie sich Augenblicke formen, wie Nähe entsteht. Da war Aufregung. Neugier. Freude. Auch Skepsis. Und all das war echt. So echt, wie es nur bei Menschen sein kann, die nicht wissen, was eine Pose ist.
Die entstandenen Arbeiten sind künstlerische Bildserien. Sie haben keinen dokumentarischen Charakter. Sie zeigen nicht, wie es ist. Sie zeigen, was entsteht. Prozesse des In-Beziehung-Tretens, wenn zwei Menschen sich wirklich gegenüberstehen – jenseits von Rollen, Erwartungen und Deutungen. Die Texte erzählen von diesen Momenten. Ich schreibe, was ich gesehen habe. Das Dazwischen. Keine Wahrheiten, nur Begegnungen und Geschichten von Menschen, die nah dran sind.
Ein anderer würde andere Bilder machen.
Ein anderer würde andere Geschichten erzählen.
Das ist das Wesen von Begegnung.
Wenn zwei sich ein Gegenüber sind.